Zum Inhalt springen

TOERN2 im Interview

Unsere Fragen beantwortete Margret Plank, Leitung Lab Nicht-Textuelle Materialen an der Technischen Informationsbibliothek (TIB), für das Förderprojekt "TOERN2: Freie Lernmaterialien für die Hochschullehre finden, erstellen und nutzen".

10.05.2023: Aktuell befinden sich rund 40 Forschungs- und Entwicklungsprojekte in der zweijährigen Umsetzungsphase. Die Projekte entwickeln untereinander kompatible Lern- und Lehrangebote für das Ökosystem von “Mein Bildungsraum”. Was sind ihre Ziele und welche Herausforderungen haben sie auf dem Weg dorthin zu bewältigen? Wir haben für Sie bei den Projekten nachgefragt.

Was ist der Mehrwert Ihres Projektes und was hebt Sie von anderen Projekten in dem Fachgebiet ab?

Margret Plank: Noch immer ist es für Lehrende an Hochschulen schwierig, kostenlose und frei zugängliche Lernmaterialien – sogenannte Open Educational Resources (OER) – zu erstellen, zu finden und zu nutzen. Hier setzt das Projekt TOERN2 an. Zum einen binden wir die Plattform twillo an “Mein Bildungsraum”. Sie bietet einen stetig wachsenden Pool von OER-Hochschulmaterialien, die dann allen Nutzenden von “Mein Bildungsraum” unkompliziert zur Verfügung stehen. Zum anderen binden wir den auf OER spezialisierten Suchindex OERSI mit seinen aktuell rund 70.000 Bildungsmaterialien (Stand April 2023) an “Mein Bildungsraum” an.

Darüber hinaus wollen wir twillo und OERSI durch eine mehrsprachige Suche und Filter erweitern und über standardisierte Metadatenformate bereitstellen. So werden die Lerninhalte international und einheitlich auffindbar. Außerdem wird in TOERN2 ein lernpfadorientiertes Fortbildungsprogramm zur Erstellung und Nutzung von OER konzipiert und umgesetzt.

Und wir denken den Grundgedanken von OER zu Ende, in dem wir alle entwickelten Lösungen und Inhalte frei zur Verfügung stellen. Durch die Verknüpfung beider Infrastrukturen mit “Mein Bildungsraum” möchten wir einen wichtigen Beitrag für einen freien Zugang zu Bildung, Information und Wissen im Hochschulbereich leisten.

Was sind aktuell die größten Herausforderungen im Projekt?

Margret Plank: Allgemein ist es schwierig, Lehrende dazu zu motivieren, ihre eigenen Lehrmaterialien unter einer offenen Lizenz zu teilen. Bisher haben sie dadurch nur wenige Vorteile. Wenn, dann sind sie meist nur von ideeller Natur, wie beispielsweise einen Beitrag zu offener Bildung zu leisten oder sich den eigenen Wunsches nach Kollaboration und Austausch zu erfüllen. Um die Erstellung von OER als gelebte Praxis in der Hochschule zu etablieren, bedarf es jedoch struktureller Mehrwerte. Denkbar wäre eine Anrechnung auf den Umfang der Lehrverpflichtung oder die Berufserfahrung der Lehrenden. Außerdem sehen wir immer wieder, dass die Lehrenden unsicher sind bezüglich rechtlicher, technischer und didaktischer Fragen, weshalb sie letztendlich oftmals doch keine OER-Materialen produzieren.

In unserem Projekt stehen wir aktuell vor der konkreten Herausforderung, die Lernumgebung für das digitale Fortbildungsprogramm zu entwickeln. Diese möchten wir nicht nur funktional und ansprechend gestaltet, sondern auch mit einem System ausstatten, welches digitale Zertifikate oder Lernabzeichen (sogenannte Badges) vergeben kann. Die in der Konzeptions- und Validierungsphase genutzte Software zur Erstellung eines ersten Lernbereichs für das Fortbildungsprogramm konnte an den Prototypen von “Mein Bildungsraum” angebunden werden. Nun müssen wir prüfen, ob wir mit den zur Verfügung stehenden Funktionen auch die interaktiven Lerninhalte umsetzen können.

Was war Ihr bisher größtes Erfolgserlebnis seit Beginn des Projektes?

Margret Plank: Das größte Erfolgserlebnis im Projekt war der Moment, in dem die digitale Lernumgebung erstmals an den Prototypen von “Mein Bildungsraum” angebunden und ein im Fortbildungsprogramm generiertes Badge an die Ablage App von “Mein Bildungsraum” übertragen werden konnte.

Was planen Sie in dem Projekt für die Zukunft?

Margret Plank: Ziel ist es, noch stärker mit unseren Nutzerinnen und Nutzern in Kontakt zu kommen und eine OER-Gemeinschaft – insbesondere von Lehrenden und Lernenden aus dem Hochschulbereich – zu etablieren.

Perspektivisch möchten wir weitere Kurse, beispielsweise im Bereich Data Skills, über unsere Lernumgebung bereitstellen und an “Mein Bildungsraum” anbinden. Darüber hinaus werden wir viele neue Kooperationen eingehen, um den Suchindex OERSI kontinuierlich um qualitativ hochwertige OER zu erweitern.

Und letztendlich wünschen wir uns natürlich, dass OERSI, twillo, unser Weiterbildungsprogramm und “Mein Bildungsraum” national etabliert und international bekannt werden.

Was erwarten Sie von “Mein Bildungsraum” und der Vernetzungsinfrastruktur?

Margret Plank: Von “Mein Bildungsraum” allgemein erwarten wir, dass sie dazu beiträgt, dass Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, Lehrende und Lernende institutionsübergreifend zusammenarbeiten können. Wir erhoffen uns, dass sie einen übersichtlichen, zentralen und bedarfsorientierten Einstieg in die Weiterbildung bietet und dabei flexible Bildungsbiografien unterstützt.

Durch die Vernetzung von OERSI und twillo mit “Mein Bildungsraum” wünschen wir uns, dass das Thema OER an Bedeutung gewinnt und wir mehr Lehrende dazu ermutigen und befähigen, OER-Materialien selbst zur erstellen und zu teilen.