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MIL2 zieht Bilanz: Spielerisches Lernen fördert Mehrsprachigkeit und interkulturelle Kompetenzen

Unsere Fragen beantworteten die Projektleitenden Prof. Dr. Lukas Eibensteiner, Universität Jena, Prof. Dr. Claudia Schlaak, Universität Kassel, und Prof. Dr. Christoph Vatter, Universität Jena.

Nach intensiver Forschungs- und Entwicklungsarbeit haben die Projekte ihre Ziele erreicht und spannende Ergebnisse hervorgebracht. In dieser Interviewreihe werfen wir einen Blick auf die Erfahrungen der Projektteams: Wir sprechen über spannende Herausforderungen, Erfolge und wichtige Erkenntnisse.

Das Projektteam von MIL2 hat die Moodle-Lernplattform „Glocal Campus“ zu einer digitalen Lernumgebung ausgebaut. Spielerische Ansätze wie Educational Escape Rooms und virtuelle Planspiele wurden integriert, um Mehrsprachigkeit und interkulturelle Kompetenzen zu fördern. Außerdem erhalten Lehrkräfte nun Fortbildungen und Zugang zu innovativen praxisnahen Lehr- und Lernmaterialien. Ziel war es, durch den Ansatz des spielerischen Lernens (Gamification / Edufication) ein motivierendes und praxisorientiertes Lernerlebnis zu gestalten.

MIL2 ist seit Oktober 2024 erfolgreich abgeschlossen. Was sind Ihre wichtigsten Projektergebnisse?

Prof. Dr. Lukas Eibensteiner: Wir haben einen Online-Selbstlern- und Weiterbildungsraum entwickelt, in dem mehrsprachige Nutzende ihre sprachlichen und interkulturelle Kompetenzen verbessern können. Das Besondere: Wir nutzen unter anderem innovative Ansätze wie Educational Escape Rooms, also spielerische Lernumgebungen, bei denen in Gruppen aufeinanderfolgende Rätsel gelöst werden müssen, und 360°-Lernumgebungen. Ganz praktisch kann man Interkulturalität und Mehrsprachigkeit in unseren beiden internationalen Planspielen „Edurope“ und „edUcatioN“ erleben: Die Teilnehmenden arbeiten dabei in gemischten Teams zusammen, um Konzepte für ein erfolgreiches interkulturelles und mehrsprachiges Miteinander zu entwickeln. Außerdem können Lehrkräfte sowie Trainerinnen und Trainer bei MIL2 zahlreiche Unterrichtsmaterialien finden, insbesondere um Mehrsprachigkeitsansätze im Französisch- und Spanischunterricht umzusetzen und interkulturelles Lernen etwa mit interkulturellen Trainings zu fördern.

Was waren Ihre größten Erfolge und gab es unerwartete Hürden?

Prof. Dr. Claudia Schlaak: Ein besonderes Erfolgserlebnis ist es, wenn Lehrkräfte und Dozierende, die an unseren Fortbildungen teilgenommen haben, positives Feedback geben. So wird deutlich, dass unsere mehrsprachigen und interkulturellen Aufgaben in der Praxis gut ankommen. 

Prof. Dr. Christoph Vatter: Außerdem ist es uns gelungen, den aus der wissenschaftlichen Lehre stammenden spielerischen Scimification- / Edufication-Ansatz in gemeinschaftliche Lehr-Lernszenarien wie zwei Escape Rooms und zwei virtuellen Planspielen umzusetzen. Auch hier sprachen die Motivation und Zufriedenheit der internationalen Teilnehmenden, mit denen wir die verschiedenen Formate ausprobiert haben, für sich. Auf der anderen Seite gibt es in einem derartigen Projekt natürlich immer auch technische Hürden und Verzögerungen, die herausfordernd sind, zum Beispiel, wenn notwendige technische Anbindungen von mehreren Seiten aus programmiert oder neue Funktionalitäten angepasst werden mussten.

Wie profitieren Nutzende von Ihrer Forschung bzw. von Ihren Produkten?

Prof. Dr. Lukas Eibensteiner: Unsere Fortbildungsangebote wurden über die Projektlaufzeit hinweg evaluiert und beforscht. So konnten wir sicherstellen, dass sie den gewünschten Kompetenzaufbau erzielen und unsere Nutzenden individuell profitieren. Insbesondere Lehrkräfte und Dozierende können so an ihrem mehrsprachigen und interkulturellen Kompetenzaufbau arbeiten, damit sie langfristig ihren eigenen Unterricht oder ihre Trainings optimieren und attraktiv gestalten sowie sprachliche und kulturelle Unterschiede in den jeweiligen Lerngruppen sensibel berücksichtigen.

Welche Potenziale sehen Sie für Ihr Projekt über den aktuellen Anwendungsbereich hinaus?

Prof. Dr.  Christoph Vatter: Wir sehen dazu vor allem in zwei Bereichen Potenziale: Aus gesellschaftlicher Perspektive geht es darum, zu zeigen, dass sprachliche und kulturelle Vielfalt das Miteinander und den globalen Zusammenhalt stärken. Integration und soziale Inklusion gehört ja zu den zentralen Herausforderungen unserer Gesellschaft. Aus bildungspolitischer Perspektive rücken mehrsprachige Lernende in der Schule in den Blick. Ihre diversen Bedürfnisse und ihre Förderung müssen beachtet werden. Außerdem bietet unser Angebot an innovativen Lehr- und Lernmethoden durch digitale und spielebasierte Anwendungen natürlich auch für andere Gegenstandsbereiche und Fächer Übertragungspotenziale.

Stichwort Transferpotenziale: Welche Erkenntnisse möchten Sie anderen Bildungsprojekten mit auf den Weg geben?

Prof. Dr. Claudia Schlaak: Mein Tipp: Eine transdisziplinäre Herangehensweise ist notwendig. Zudem ist es wichtig, dass Weiterbildungsangebote bildungssektorenübergreifend angelegt sind.

Prof. Dr. Lukas Eibensteiner: Unsere Erfahrung zeigt auch, dass es hilft, sich frühzeitig mit kompetenten Partnern auszutauschen, die bei der technischen Entwicklung von Lehr- / Lernformaten unterstützen können.

Wie geht es für Ihr Angebot weiter?

Prof. Dr. Lukas Eibensteiner: Unsere Selbstlernräume und Fortbildungsangebote werden aktuell insbesondere im Rahmen universitärer Lehrveranstaltungen, interkultureller Trainings und regelmäßig stattfindender Workshops genutzt und auch gut angenommen. Deshalb werden wir sie über die Projektlaufzeit hinaus fortführen.

Prof. Dr. Claudia Schlaak: Außerdem möchten wir unsere Angebote auch noch weiterverbreiten und neue virtuelle, mehrsprachige und interkulturelle Lernszenarien entwickeln. Gerade die Datenbanken mit praktischen Aufgaben und Trainingsaktivitäten können und sollten kontinuierlich weiterentwickelt werden. Die interaktiven Lernszenarien auf Basis des spielerischen Scimification- / Edufication-Ansatzes werden außerdem weiterhin Gegenstand unserer Forschung sein.