Welche Potenziale sehen Sie für Ihr Projekt über den aktuellen Anwendungsbereich hinaus?
Konstantin Kaiser: Neben dem kontinuierlichen Ausbau des Angebots und weiteren Inhaltepartnerschaften sehen wir großes Potenzial in einer vertieften Zusammenarbeit mit den Weiterbildungssystemen der Länder. Erste Kontakte sind geknüpft und wir freuen uns darauf, diese zu vertiefen.
Das kann auch im Rahmen des Startchancen-Programms geschehen, in dem Fortbildung eine wichtige Säule ist. Aktuell sind wir mit dem Förderprojekt „NELE für Startchancen-Schulen“ gestartet, in dem Pacemaker zusammen mit dem International Rescue Commitee (IRC) und Kiron als Technikpartner Inhalte für Startchancen-Schulen entwickelt. Das Projektziel ist, Blended-Learning-Programme zu Themen zu erstellen und zu erproben, die für die Startchancen Schulen relevant sind, um diese Angebote zur Nutzung auf dem NELE-Campus zugänglich zu machen. Zusätzlich wollen wir die Inhalte und Workshop-Anleitungen als Open Educational Resources (OER) veröffentlichen und so als Blaupause zur Weiternutzung durch die Länder zur Verfügung stellen.
Potenzial liegt auch in der Nutzung der langjährigen Erfahrung von Pacemaker bei der Durchführung von Online- und Präsenzworkshops in und mit Schulen, die in Gestaltung und Durchführung unserer Blended-Learning-Programme einfließt, sei es als Kooperationspartner auf den Plattformen der Länder oder direkt auf dem NELE-Campus. Verbunden mit der Erstellung der Inhalte im Rahmen der neuen Förderung möchten wir mit NELE künftig neben der Finanzierung durch Förder- und Kooperationsprojekte auch auf servicebasierende Geschäftsmodelle adaptieren, wie man sie aus dem Open-Source-Software-Bereich kennt: Die Inhalte werden kostenfrei angeboten und deren Entstehung hoffentlich durch die Durchführung von Blended-Programmen querfinanziert, ergänzt durch Beratungsangebote bei der Inhalteerstellung.
Stichwort Transferpotenziale: Welche Erkenntnisse möchten Sie anderen Bildungsprojekten mit auf den Weg geben?
Konstantin Kaiser: Erstens: Denkt nicht in Projekten, sondern in Produkten, und zeigt diese euren Nutzenden so früh wie möglich! Bei NELE haben wir User Testing von Beginn an implementiert. Das ging schon beim Projektnamen los, zu dem wir im ersten Monat mehrere Umfragen gestartet haben. Das Ergebnis war, dass wir uns von LearningNewLearning (daher unser altes Projektkürzel LNL2) in NELE umbenannt haben, weil es eingängiger und anschlussfähiger ist. Danach haben wir regelmäßig, meist alle vier Wochen, Produktprototypen gebaut und diese in qualitativen Concurrent-Thinkalaoud-Studien von potenziellen Nutzenden testen lassen. Das hat uns extrem geholfen, aktuelle Fragestellungen zu klären, nicht am tatsächlichen Bedarf vorbei zu entwickeln, den richtigen Ton in der Ansprache zu finden und unser Projekt permanent auf die aktuellen Bedarfe nachzujustieren.
Zweitens: Stellt im Konsortium eine wertschätzende (Präsenztreffen helfen hier enorm), wirklich agile Zusammenarbeit auf die Beine, die diese Prototyporientierung und permanente Anpassung von vornherein einkalkuliert. Wir haben gelernt, dass sich eine agile Arbeitsweise auch im Kontext von Arbeitsplänen aus Förderanträgen, die häufig stärker an klassischen, sequenziellen Vorgehensweisen orientiert sind, gut integrieren lässt. An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich für die tolle Zusammenarbeit mit der VDI/VDE-IT und dem BMFTR bedanken, die für unsere agile Arbeitsweise offen waren.
Drittens: Plant einen Beta-Launch mit ein, um frühzeitig einen ersten Erfolg im Team feiern zu können. Außerdem werden so nicht erst zum Projektende Ergebnisse zwischen den Partnerinnen und Partnern abgeglichen. Anpassungsbedarfe treten rechtzeitig zutage und werden mit Feedbackdaten aus der „echten Welt“ gestützt. Wer mehr zu unserer Zusammenarbeit im Projekt erfahren, will, dem oder der sei dazu die entsprechenden Kapitel im NELE-Buch ans Herz gelegt.
Und schließlich: Plant genug Zeit für die Sicherung der Nachhaltigkeit des Projektes ein! Die Zukunft von NELE zu organisieren, sodass wir am Förderende nicht in einen Dornröschenschlaf fallen, hat einiges an Kraft gekostet.
Wie geht es für Ihr Angebot weiter?
Konstantin Kaiser: NELE befindet sich jetzt in einer neuen Phase der Kontinuität: Tag um Tag, Inhalt um Inhalt, Partnerschaft um Partnerschaft geht es voran, stetig kommen neue Nutzende auf die Plattform, um den Alltag an ihrer Schule Schritt für Schritt in Richtung einer neuen Lernkultur zu verändern.
Wir freuen uns auf die Zusammenarbeit mit vielen spannenden Projekten und Bildungsanbietenden, um das NELE-Angebot stetig zu erweitern, wie aktuell zum Thema KI-Einsatz in der Schule. Die Arbeit am Förderprojekt NELE für Startchancen-Schulen zur Erstellung von an den Bedürfnissen der Schulen ausgerichteten Blended-Learning-Programmen bringt in den nächsten drei Jahren spannende neue Perspektiven auf den NELE-Campus.
Wir hoffen, dass sich diese Entwicklungen zu einer verstärkten Zusammenarbeit mit den offiziellen Weiterbildungsstrukturen führen, damit noch mehr Menschen gemeinsam an der Verbreitung einer neuen Lernkultur arbeiten. Wer an einer Zusammenarbeit interessiert ist, erreicht uns unter info(at)nele-campus.org.
Für uns persönlich geht es ganz unterschiedlich weiter. Einige am Projekt Beteiligte sind mit NELE zu Pacemaker gewechselt, sodass wir dort Know-how und Elan aus dem Projekt im Team behalten können. Andere werden uns sicher als künftige Kooperationspartnerinnen und -partner erneut begleiten. So oder so freuen wir uns, wenn man sich wiedersieht, denn die Zusammenarbeit im Konsortium war nicht nur erfolgreich und sinnstiftend, sondern hat uns auch sehr viel Spaß gemacht.