Nach intensiver Forschungs- und Entwicklungsarbeit haben die Förderprojekte ihre Ziele erreicht und spannende Ergebnisse hervorgebracht. In dieser Interviewreihe werfen wir einen Blick auf die Erfahrungen der Projektteams: Wir sprechen über spannende Herausforderungen, Erfolge und wichtige Erkenntnisse.
Das Projektteam von TOERN2 erleichtert es Lehrenden an Hochschulen Open Educational Resources (OER) zu erstellen und zu nutzen. Dafür sollte die OER-Plattform „twillo“ und der Suchindex „OERSI“ so weiterentwickelt werden, dass sie sich leichter mit digitalen Bildungslösungen verknüpfen lassen. Verbesserte Filter, mehrsprachige Suchen und standardisierte Metadaten erleichtern inzwischen den freien Zugang zu über 89.000 Bildungsmaterialien. Die Lerninhalte sind international einheitlich auffindbar. Darüber hinaus wurde ein modulares Bildungsangebot zur Nutzung und (technischen) Erstellung von OER konzipiert und prototypisch umgesetzt.
Das Projekt TOERN2 ist seit September 2024 abgeschlossen. Was sind Ihre wichtigsten Projektergebnisse?
Dr. Hendrik Bunke: Im Projekt konnten wir drei wichtige Ergebnisse erreichen.
Erstens haben wir eine mehrsprachige Suche etabliert: sowohl im OERSI-Frontend, als auch für Systeme, die unsere Schnittstelle OERSI-API für eine Suche in Datenbanken für Open Educational Resources (OER) nutzen. Für die Übersetzung der Schlagworte in den Datensätzen verwenden wir Wikidata, eine offene Wissensdatenbank. So steht die Suche nun einem viel breiteren Nutzendenkreis als zuvor zur Verfügung.
Zweitens haben wir einen umfassenden Online-Kurs didaktisch konzeptioniert und in der digitalen Lernumgebung TOERN aufbereitet. Er erklärt Nutzenden Schritt für Schritt, wie sie OER rechtssicher entwickeln und in offene technische Systeme einbinden können.
Drittens wurde das Angebot erfolgreich an eine Testumgebung angebunden, um die Anmeldung über ein Single Sign On (SSO) mit bestehenden Konten zu erproben. Darüber hinaus konnte im Rahmen der Tests die Vergabe digitaler Lernnachweise demonstriert werden.
Was waren Ihre größten Erfolge und gab es unerwartete Hürden?
Dr. Hendrik Bunke: Die Projektergebnisse – Verbesserung des Suchindexes OERSI, die Entwicklung des OER-Bildungsangebotes sowie das zugrundeliegende LMS beziehungsweise die Lernumgebung TOERN – sind inzwischen nachhaltig in den IT-Infrastrukturen des Leibniz-Informationszentrums Technik und Naturwissenschaften und Universitätsbibliothek (TIB) verankert. Sie bleiben also langfristig offen und kostenfrei nutzbar. Genauso wie der Online-Kurs, bei dem jede und jeder mitmachen, lernen und am Ende ein Zertifikat erhalten kann.
Wie profitieren Nutzende von Ihrer Forschung bzw. Ihren Produkten?
Dr. Hendrik Bunke: Der Online-Kurs bietet Nutzenden ein umfangreiches, komplett kostenloses Bildungspaket inklusive Zertifikat für den Lebenslauf.
Er ist komplett Open Source und offen lizenziert (CC-Lizenz). Das bedeutet, andere Projekte können das Material übernehmen, anpassen und in ganz unterschiedlichen Kontexten einsetzen – zum Beispiel in der beruflichen Weiterbildung, in Schulen oder in internationalen Kooperationen.
Welche Erkenntnisse möchten Sie anderen Bildungsprojekten mit auf den Weg geben?
Dr. Hendrik Bunke: Wenn die Inhalte von Anfang an unter einer offenen Lizenz stehen, können sie viel leichter geteilt, weiterentwickelt und nachhaltig genutzt werden. Das sollte meiner Meinung nach das Grundprinzip jedes öffentlich geförderten Bildungsprojekts sein.
Außerdem ist es wichtig, frühzeitig auf Interoperabilität zu setzen. Schnittstellen wie APIs oder Single-Sign-on-Lösungen, mit denen Nutzenden mit einer Anmeldung auf verschiedene Angebote zugreifen können, erleichtern die spätere Anbindung an andere Systeme enorm und sparen viel Aufwand.
Wie geht es für Ihr Angebot / Produkt weiter?
Dr. Hendrik Bunke: Alle Kursmaterialien sind jetzt in der Moodle-Lernumgebung der TIB frei zugänglich. Wir haben die TOERN-Lernplattform nach Projektende für weitere Bildungsangebote geöffnet. Künftig soll sie ein zentraler Hub für Themen rund um Open Science und Open Access werden.
Wir arbeiten außerdem daran, ECTS-Punkte (die europäischen Leistungspunkte für Studienleistungen) für die Kursteilnahme zu vergeben. Das wird intern bei der TIB koordiniert, damit Studierende den Kurs offiziell in ihr Studium einbringen können.