
Hintere Reihe (von Links nach Rechts): Miguel Prieto (Open Assessment Technologies), Armando Martí Recuenco (Ministry of Education of Valencia), James Trueman (Anglia Ruskin University), Gill Ferrell (1EdTech Consortium), Salvador Pellicer (Entornos de Formación S.L), John Murray (University of Galway) | Vordere Reihe (von Links nach Rechts): Carlos Abellan de Andres (Ministry of Education of Valencia), Curtiss Barnes (1EdTech Consortium), Andrés Martínez Soto (Entornos de Formación S.L), Lennart Nörenberg (Cornelsen Verlag)
Gemeinsamer Standard statt Insellösungen: Cor-Metasu erhält den Learning Impact Europe Award 2025
Der diesjährige Gesamtsieger der Learning Impact Europe Awards 2025 ist das Projekt Cor-Metasu vom Cornelsen Verlag, das im Rahmen von “Mein Bildungsraum” zwischen 2022 und 2024 vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) gefördert wurde. Die Learning Impact Europe Awards zeichnen europaweit Projekte aus, die das Lernen, insbesondere Lernerfahrungen und Lehrmethoden, mit technologischer Hilfe nachweisbar verbessern.
Cor-Metasu hat das Ziel, den Datenaustausch und die Auffindbarkeit von Bildungsinhalten in deutschen Bildungsinfrastrukturen zu vereinfachen. Damit die Interoperabilität im föderal organisierten Bildungswesen gelingt – also die Fähigkeit von unterschiedlichen Systemen, nahtlos miteinander zu arbeiten – braucht es gemeinsame und vergleichbare Standards.Im Projekt wurde hierfür ein deutsches Profil des internationalen LTI (Learning Tools Interoperability) Resource Search Standard entwickelt. Dieser ermöglicht es, digitale Lernangebote in unterschiedlichen Lernplattformen zu finden, zu vergleichen und zu nutzen.
Die Auszeichnung wurde im Rahmen der „Learning Impact Europe Conference” von 1EdTech, den Entwicklern des LTI-Standards, in den Niederlanden verliehen. Damit hat sich Cor-Metasu automatisch für die „Learning Impact Global Awards 2026” in San Francisco qualifiziert.
Interoperabilität im föderalen Bildungssystem
Aufgrund der föderalen Kompetenzverteilung liegt die Zuständigkeit für Bildung in Deutschland bei den Ländern. Die kulturelle Vielfalt spiegelt sich beispielsweise in unterschiedlichen Schulformen, Lehrplänen und Infrastrukturen.
Das Förderprojekt Cor-Metasu hat genau hier angesetzt: Ziel war es, eine technische Basis zu schaffen, um Lernangebote über föderale Grenzen hinweg auffindbar und vergleichbar zu machen. Das Projekt entwickelte hierfür ein offenes Metadaten-Profil, das den bestehenden internationalen LTI Resource Search Standard erweitert. So wurden Attribute ergänzt, die speziell auf das deutsche Schulsystem zugeschnitten sind. Dazu gehören:
- SchoolType: Klassifikation deutscher Schulformen von Grundschule bis Berufsschule
- ClassGrade: flexible Jahrgangsangabe unter Berücksichtigung von Altersheterogenität
- MediaType: Unterscheidung zwischen didaktischem Typ und technischem Format
Diese Erweiterungen wurden von 1EdTech offiziell anerkannt und in den internationalen Standard integriert.
Uwe Erpel, Head of EdTech Engineering bei Cornelsen, betont:
„Das Ziel ist, dass Lehrende, Lernende und Anbieter auf Basis von Metadaten zueinanderfinden. Bisher fehlen verbindliche Standards, um Angebote transparent und vergleichbar zugänglich zu machen – das wollen wir ändern.“
Standardisierung braucht einen langen Atem
Bei der Einführung technischer Standards sind unterschiedliche Ebenen gefragt. Dies braucht einen langen Atem.
Cor-Metasu zeigt, dass Standardisierung eine langfristige Investition ist: Sie schafft die Grundlage, auf der künftige Innovationen aufbauen können. Ihr eigentlicher Wert wird deutlich, wenn Lösungen skalieren und interoperabel zusammenarbeiten können.
Das Projektteam ruft daher die internationale EdTech-Community dazu auf, Standards mitzugestalten – durch gezielte Anpassungen an lokale Kontexte, Abstimmung auf bestehende Strukturen undoffenes Teilen eigener Erweiterungen. Die kontextbezogene Profilierung bestehender Standards führt nicht zu Fragmentierung, sondern zur Weiterentwicklung des Gesamtsystems: Je mehr Akteure ihre Entwicklungen teilen, desto stärker und vernetzter wird das gesamte Ökosystem digitaler Bildung.
Weiterführende Informationen
- LinkedIn-Beitrag des Cornelsen Verlags: Metasu: Building Interoperability in a Federated Education System
- Projektbeschreibung Cor-Metasu
- Projektinterview mit Cor-Metasu
- Radarboard des Projektes Cor-Metasu
- Architektur hinter Cor-Metasu: Engineering Interoperability: The Architecture Behind Metasu
Die vollständige Projektdokumentation, einschließlich technischer Architektur und Evaluationsberichte, ist frei zugänglich und lädt zur internationalen Nachnutzung und Weiterentwicklung ein: