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KoKoN2 zieht Bilanz: Ein maßgeschneiderter Methodenkoffer für die digitale Hochschullehre

Unsere Fragen beantwortete Prof. Dr. Thomas Köhler, Projektleiter und Direktor des CODIP (Center for Open Digital Innovation and Participation) an der Technischen Universität Dresden.

Nach intensiver Forschungs- und Entwicklungsarbeit haben die Förderprojekte ihre Ziele erreicht und spannende Ergebnisse hervorgebracht. In dieser Interviewreihe werfen wir einen Blick auf die Erfahrungen der Projektteams: Wir sprechen über spannende Herausforderungen, Erfolge und wichtige Erkenntnisse.

Die Projekte KoKoN und KoKoN2 stehen für kompetente Kooperation im Hochschulnetzwerk: Hierbei unterstützt das Projektteam Lehrende, digitale Hochschullehre kooperativ zu gestalten. Der „KoKoN Methodenkoffer“ ermöglicht es, Lehrmethoden zu teilen, anzupassen und mithilfe eines Kompetenzprofils gezielt mit anderen Lehrenden weiterzuentwickeln. Über die Suche nach Kompetenzprofilen finden Lehrkräfte leichter passende Partnerinnen und Partner für eine Zusammenarbeit. So trägt KoKoN dazu bei, Lehrkooperationen bundesweit anzuregen, zu stärken und sichtbar zu machen.

KoKoN2 ist seit September 2024 erfolgreich abgeschlossen. Was sind Ihre wichtigsten Projektergebnisse?

Prof. Dr. Thomas Köhler: Das Vorhaben KoKoN2 entstand aus der Motivation heraus, Lehrenden, die digitale Werkzeuge und Angebote in ihrer Lehre einsetzen, einen einfachen, sicheren und zentralen Zugang zu hochwertigen, didaktisch aufbereiteten Lehr- und Lernmethoden zu ermöglichen. Damit helfen wir auch grundsätzlich, Kompetenz in diesem Bereich aufzubauen.

Ein weiterer zentraler Gedanke des Projektes war, über digitale Werkzeuge Kooperationen zu medien- und organisationsdidaktischen Methoden für die digitale Hochschullehre über Fachgrenzen hinweg zu fördern. Dabei können Lehrende mehrerer Hochschulen und unterschiedlicher Fachrichtungen Didaktik-Inspirationen für ihre digitalen Lehrveranstaltungen abrufen. Innovativ ist dabei, wie Erfahrungen und Fähigkeiten im Umgang mit digitalen Lehrmethoden organisationsübergreifend geteilt und die Praxis der Sozialformen in der Lehre – also die Art der Zusammenarbeit zwischen Lehrenden und Lernenden während einer Veranstaltung – weiterentwickelt werden können.

Das Verbundprojekt schließt mit drei Hauptergebnissen ab:

1. KoKoN Methodenkoffer
Wir haben einen Werkzeugkoffer für alle entwickelt, die digital an Hochschulen lehren. Der „KoKoN Methodenkoffer“ steht auf der Lernplattform OPAL kostenfrei zur Verfügung.

2. Lehrendenprofile
Wir haben Profile erstellt, die auf den individuellen Kompetenzen von Hochschullehrenden im Bereich der digitalen Lehre basieren. Lehrende können ein individuelles Lehrenden-Profil anlegen und dieses anhand von 12 Kriterien bewerten lassen.

3. Kooperationsmechanismen
Zudem haben wir Mechanismen entwickelt, die die Kooperation in der digitalen Hochschullehre gezielt fördern: Angemeldete Lehrkräfte sind untereinander sichtbar und können über das Bildungsportal Sachsen mit Kolleginnen und Kollegen anderer Hochschulen in Kontakt treten. So lassen sich Lehrmethoden gemeinsam entwickeln und einsetzen.

Was waren Ihre größten Erfolge und gab es unerwartete Hürden?

Prof. Dr. Thomas Köhler: Zu unseren größten Erfolgen zählt die Entwicklung eines kollaborativen Methodenkoffers für die digitale Lehre. Dafür haben wir die bereits bestehenden Methodenkoffer der AKAD University, der Technischen Universität Dresden und der Ludwig-Maximilians-Universität München zusammengeführt und zentral über die Lernplattform OPAL bereitgestellt.

Ein weiterer wichtiger Erfolg ist die Evaluation der Kompetenzen: Gemeinsam mit Lehrenden haben wir die Digitalkompetenzen für 114 Methoden evaluiert. Diese Ergebnisse konnten wir erfolgreich in das Kompetenzmodell für digitale Lehre (Frankfurter Modell) sowie in das Self-Assessment-Tool zur Erstellung von Lehrendenprofilen integrieren.

Eine besondere Herausforderung bestand darin, dynamische und parallele technische Entwicklungen aufeinander abzustimmen. Das verlangte vom gesamten Projektteam viel Flexibilität, enge Koordination und hohes Engagement.

Wie profitieren Nutzende von Ihrem Produkt?

Prof. Dr. Thomas Köhler: Nutzende profitieren vor allem davon, dass hochwertige digitale Lehr- und Lernmethoden heute ein unverzichtbarer Bestandteil moderner Hochschullehre sind. Gleichzeitig entwickeln sie sich schnell weiter, sodass sich Hochschullehrende kontinuierlich an neue digitale Bedingungen anpassen müssen. Genau hier setzt unser kollaborativer Methodenkoffer an: Er bietet ein niedrigschwelliges, disziplinunabhängiges und vielseitig einsetzbares Repertoire digitaler Methoden für unterschiedliche Kompetenzniveaus. Durch die kollaborativen Funktionen können Nutzende den Methodenkoffer aktiv erweitern und verbessern. Über Feedbackfunktionen lassen sich Erfahrungen mit digitalen Lehrmethoden teilen und es entstehen neue Möglichkeiten für Kooperationen bei der Weiterentwicklung mediengestützter digitaler (Fach-)Didaktiken. So wächst ein gemeinschaftlich gepflegtes Angebot, das Lehrende unmittelbar in ihrer Praxis unterstützt.

Welche Potenziale sehen Sie für Ihr Projekt über den aktuellen Anwendungsbereich hinaus?

Prof. Dr. Thomas Köhler: Die im Projekt KoKoN2 entwickelten Ansätze zur kollaborativen und fachübergreifenden Weiterentwicklung von Kompetenzen in der digitalen Lehre lassen sich auf andere Bildungsbereiche übertragen, etwa auf die Schule oder die berufliche Weiterbildung.

Stichwort Transferpotenziale: Welche Erkenntnisse möchten Sie anderen Bildungsprojekten mit auf den Weg geben?

Prof. Dr. Thomas Köhler: Eine zentrale Erkenntnis aus KoKoN2 ist, dass Flexibilität bei der parallelen Entwicklung digitaler Technologien und Infrastrukturen eine wesentliche Voraussetzung für den Projekterfolg ist. Gerade in Forschungs- und Entwicklungsprojekten verändern sich technische Rahmenbedingungen und Nutzungspräferenzen von Zielgruppen oft schneller als erwartet.

Daher empfiehlt sich ein agiles Vorgehen, das es ermöglicht, unmittelbar auf neue Anforderungen zu reagieren und Entwicklungen dynamisch anzupassen. Diese Agilität sollte bereits in der Projektkonzeption verankert werden, damit notwendige Anpassungsspielräume während der Durchführung vorhanden sind.

Wie geht es für Ihr Produkt weiter?

Prof. Dr. Thomas Köhler: Der „KoKoN Methodenkoffer“ bleibt Lehrenden an deutschen Hochschulen dauerhaft und kostenfrei als Ressource für die individuelle Gestaltung digitaler Lehr- und Lernszenarien erhalten. Darüber hinaus integrieren die Partneruniversitäten den „KoKoN Methodenkoffer“ systematisch in ihre Weiterbildungsangebote für Lehrende.

Die im Projekt gewonnenen Erfahrungen und Entwicklungen fließen zudem in zukünftige Initiativen zur Gestaltung innovativer digitaler Bildungstechnologien ein, sowohl innerhalb der Hochschulen als auch in hochschulübergreifenden Verbünden, etwa im Bildungsportal Sachsen oder an der AKAD University.